Schlusswort


Jedes Kind weiß wie das geht mit dem Gesichtermalen: Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist das Mondgesicht. Was ist Kunst eigentlich? Und was ist schlichtes Handwerk? Was ist Kitsch? Was wird über den Tag hinaus Bedeutung haben?

Für den mäßig interessierten Laien sind solche Fragen schwer zu beantworten. Sitzen solche Laien in einem Kirchenvorstand beisammen und sollen über den Ankauf moderner Kunst für ihre Kirche entscheiden, sind sie häufig ratlos. Da gibt es dann genagenauso hitzige wie ergebnislose Diskussionen über Geschmacksfragen. Was in solchen Entscheidungsprozessen häufig fehlt, sind schlicht die Kriterien, um die Qualität von Gegenwartskunst in sakralen Räumen zu beurteilen. Diesem Manko wollten wir in der Josephsgemeinde entgegenkommen. „Nicht Geschmack zählt, sondern Qualität“ wurde zum unserem Motto.

Wir haben unter den modernen Künstler Wege gesucht und entdeckt, dass ihre Werke nicht etwa nach Funktionen geordnet sind, "Altäre", "Kanzeln", "Deckenbilder" und so weiter, sondern nach den zugrunde liegenden Gestaltungsstrategien: "Raum, Farben, Material", "Verdichtung", "Zeichen", "Figur" heißen die Kapitelüberschriften. Die Tendenz, Kirchen zu vergemütlichen, sie wie ein Wohnzimmer zu möblieren oder sie mit simplen Bibelillustrationen zu "verschönern", nimmt, so die Experten, den Kirchen ihre wichtige Funktion als "symbolische Statthalter des Lebens". Kirchenräume sollen die Erfahrung von Grenzen und Übergängen im Leben spiegeln. Sie sollen ein Ort sein, in dem sich die Kunst des begrenzten Lebens lernen lässt. "Ausstattungsfastfood" ist in solchen Räumen deplaziert, wozu Topfpflanzen und Brot-für-die-Welt-Plakate, liebloser Altarschmuck und Hungertücher gehören.. Sie sollen zum Engagement für ferne Nächste animieren, verharmlosen aber die ethische Forderung mit folkloristischem Kitsch. Außerdem machen sie zwar ein Problem bewusst, ermöglichen dem Betrachter aber keine neue Lebensperspektive.

ave


Prof. H. Hollenhorst:
"Ave Maria" (Bronze)
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Gut gemeint ist eben noch nicht gut. Aber was ist gut? „Evangelium ist ein Ereignis, nämlich ein Handeln Gottes am Menschen, der zum Glauben gebracht wird. Welchen Mediums sich Gott dabei bedient, das bleibt ihm überlassen. Er lässt sich nicht auf unser Reden festlegen“ (cf.: „Kreuz+Quer - Gegenwartskunst für Kirchen.“ Herausgeber: Markus Zink, Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart, Marburg).

Das Team der Autoren, die Architekten, der Künstler und die Gemeinde-Leitung übergeben der Gemeinde St. Joseph in Bielefeld eine Kirche die auf die Zukunft hinweißt. Die Harmonie, die Ruhe und Gelassenheit aber auch das Kreuz, das wir miteinander in den vergangenen Jahren der Renovierungsarbeiten erfahren haben, spiegeln sich in dieser neugestalteten Kirche. Diese Erfahrungen sind unser Wunsch für das weitere Leben und Wirken dieser Gemeinde. Dem neuen Pfarrer, Herrn Bernhard Haaken wünsche ich das selbe Vertrauen auf Gott, das wir erlebt haben und viel Hoffnung, dass die Josephsgemeinde eine Gemeinde der Zukunft ist. Denn, obwohl sich die Erde dreht, obwohl die Welt unruhig ist, dennoch das Kreuz steht fest.

S. Walczak, Pfr. ieR

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