Neue Westfälische Nr. 255, Mittwoch/Donnerstag, 1./2. November 2000

Ein Gotteshaus voller Harmonie

Sankt Josephskirche öffnet nach zweijähriger Renovierung ihre Pforten

VON SYLVIA TETMEYER

Bielefeld-Mitte. Zwei Jahre lang waren die Kirchentüren geschlossen, ab heute sind sie wieder weit geöffnet: Mit der Altarweihe um 15 Uhr feiert die katholische Sankt Josephsgemeinde ihre Wiedereröffnung.

"Die Schönheit des Raumes ist der Raum selbst", sagt Pfarrer Stanislaus Walczak. Zwar befindet sich der Seelsorger bereits seit neun Monaten im Ruhestand, die Renovierungsarbeiten hat er jedoch maßgeblich mit betreut und initiiert. Bewusst habe man sich bei der Gestaltung auf das Wesentliche beschränkt. Walczak: "Ich wünsche mir, dass Menschen hier ihre Augen erholen und sich ausruhen können."

Im Inneren des Gotteshauses an der Josefstraße dominieren die Farben Weiß und Grau. Architekt Wolfgang Krause und Sohn Thomas verwendeten für den viereinhalb Tonnen schweren Altar und die Stufen Muschelkalkstein. Weitere verbaute Materialien sind Edelstahl und Alabaster.

Viele Neuerungen wie beispielsweise die moderne Heizungs- und Lautsprecheranlage sind zwar unsichtbar, aber wichtig. Die künstlerische Gestaltung lag in den Händen von Professor Heinz Hollenhorst. Bei der Renovierung musste berücksichtigt werden, dass der Turm und die beiden Frontkapellen der 1908 erbauten Kirche unter Denkmalschutz stehen.

Diese Gebäude sind als einziges von den Luftangriffen 1944 verschont worden. 1952 erfolgte der Wiederaufbau der Josephskirche. Als Stanislaus Walczak 1991 in die Gemeinde kam, hatte er bereits 16 Jahre im afrikanischen Sambia gepredigt. Die Josephsgemeinde bestand zu dieser Zeit nur noch aus einer kleinen Gruppe, das Gotteshaus war innen und außen marode. Soziale Probleme rund um das Bahnhofsgelände machten auch vor den Kirchentoren nicht halt. "Ich erlebte diesen Zustand als einen tiefen Schock. Mein Ziel war, aus dem Schandfleck in der Stadtmitte eine attraktive und einladende City-Kirche zu machen". Heute zählt die Gemeinde etwa 3000 Glieder. "Die Fluktuation ist allerdings sehr hoch", erzählt Pfarrer Bernhard Haaken, der vor neun Monaten die Nachfolge von Stanislaus Walczak angetreten hat. Der gebürtige Soester war bereits zehn Jahre als Militärpfarrer tätig, lebte über vier Jahre in Amerika. Von der Umgestaltung ist der 42-Jährige begeistert: "Ich hätte es an keiner Stelle anders gemacht."


Vorwort |  Einführung Kapitel I | Kapitel II |  Kapitel III |  Schlusswort |  Anhang |  Dein Priester online |