Einführung Pfr. Friedrich Mittrop

September 1944. Die Luftangriffe auf Bielefeld verwüsten das Leben und fast die ganze Stadtmitte. Als ob die Insel des Friedens, wie der Bereich der Josephsgemeinde im Laufe der Zeit genannt wurde,allein für den Krieg zahlen soll.

Als die Bomber in den fernen Himmel verschwinden und die Sirenen mit der schrecklichen Botschaft des Todes aufhören, steht Pfarrer Mittrop vor seiner zerstörten Kirche und kann seinen Augen nicht glauben: sechsundzwanzig Jahre der mühsamen Seelsorge liegen in Asche und die Trümmer dampfen noch wie der unheilige Weihrauch zum Spott des Vergangenen.grabstein.jpg - 17494 Bytes

Keine Mitarbeiter. Selbst die Gemeindesekretärin stirbt unter den Ruinen des Pfarrhauses. Wer weiß wie viele Gemeindeglieder noch am Leben geblieben sind? Die Kirche liegt zerbombt und verbrannt! Das Pfarrhaus existiert nicht mehr! Kein Platz, den Gottesdienst zu feiern, kein Raum die Menschen zu empfangen, kein Zimmer zum Schlafen...

Als das Feuer erlischt und der Rauch nicht mehr den Blick verdeckt, erkennt der Pfarrer das Ausmaß der Verwüstung. Nur die zwei Frontkapellen und der mit gelbem Sandstein geschmückte Turm stehen heil und unbeschädigt. Und auf dem Turm herrscht das steinerne Kreuz ohne sich dem Hass, der Mutlosigkeit und Verzweiflung zu beugen. Im Herzen des gebürtigen Dortmunders wächst ein Funke der Hoffnung: ja, das Kreuz steht unberührt! ... Stat crux dum volvitur terra! ... Das Kreuz steht fest, während sich die Erde dreht!

Zehn Jahre später lässt Pfarrer Mittrop an der linken Wand des Altarraumes der wiederaufgebauten Kirche, diese Worte in gelben Sandstein meißeln, umgeben von drei Jahreszahlen: 1908 - Neubau der Kirche, 1944 - Zerstörung der Kirche, 1952 - Wiederaufbau der Kirche. Die einfache Symbolik dieser Tafel mit dem Schädel für den Tod und mit einem Schmetterling für die Auferstehung und für das neue Leben, bleibt als Schöpferkraft nicht nur für die neueste Geschichte der Josephgemeinde, sondern auch für ihre Zukunft wirksam.


Vorwort |  Einführung Kapitel I | Kapitel II |  Kapitel III |  Schlusswort |  Anhang | 
Home Page |